Der Sheaffer Snorkel
 
 

von Bill Hong und Nathan Tardiff
 
 
 

erschienen Februar 1999 im
 Stylophile's Online Magazin
für Enter-Net überarbeitet und übersetzt aus dem Englischen von
Det Baumann, Mai 2000

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Die Szene ist bekannt: zusammen mit einem Freund strolchst du durch einen kleinen Antiquitätenladen, in der Hoffnung, den ersehnten Big Red oder Patrician für 20 Dollar zu finden. Der Ladenbesitzer ist auch da; mit verhaltener Stimme fragst du: " Äh, haben Sie irgendwelche alten Füllfederhalter?"
Der Ladenbesitzer hebt eine Augenbraue in der Art der Vulkanier, dann lächelt er und sagt: "Aber natürlich, hab sie hier in der Schachtel unter der Theke..." Ihr schaut euch beide erwartungsvoll an, während besagter Ladenbesitzer unter der Theke herumwühlt und dann die übliche Zigarrenkiste hervorholt, gefüllt mit - hauptsächlich alten Werbekugelschreibern, einigen zerbrochenen Wearevers und ... ach ja, einem langen, dünnen zu den Enden sich verjüngenden Schreiber mit einem glatten gebogenen Clip, weisser Punkt darüber in der Kappe. Dein Begleiter scheint niedergeschlagen, während du die Kappe abschraubst und die konische Feder begutachtest und das verräterische Loch im Tintenleiter siehst, wo das kleine Metallrohr einen oder zwei Millimeter hervorschaut. "Gott, schon wieder ein Snorkel," sagt deine Jagdbegleitung und trollt sich in einen anderen Teil des Ladens. "Jaa, es gibt jede Menge von diesen," sagt der Besitzer, "sie sind einfach überall, obwohl, dies ist der einzige, den ich heute habe..."

Also, wenn du Glück hast, sind alle Teile komplett (auch wenn der Füller nicht funktioniert), und wenn der Preis stimmt, legst du das Geld auf den Tresen und nimmst den Füller. Vielleicht funktioniert er ja und bewährt sich gut und verlässlich als Gebrauchsfüller für jeden Tag. Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist er kein Schaustück in der Tasche und auch nichts, das mumiengleich in einer Vitrine endet!

Nichtsdestoweniger, wie viele von uns sehen uns selbst oder jemanden, den wir kennen, in der Position der enttäuschten Hälfte des Paares in der Szene oben? Wie oft haben wir nach alten Füllern gesucht, in der Hoffnung, den nahezu neuwertigen Conklin Nozac oder Parker Maxima Vacumatic zu finden, nur um auf einen weiteren Sheaffer Snorkel aus den 50ern zu stossen, und liessen ihn liegen, selbst wenn der Preis stimmte?
 
 
SNORK4.jpg (74114 bytes) Dies scheint unter einigen Sammlern die Reaktion auf diesen speziellen Füller zu sein. Es mag eine Menge Gründe dafür geben - Snorkels sind mit ihrer Blütezeit in den 50ern sehr jung unter klassischen Füllern. Sheaffer produzierte Millionen von ihnen und die eher kurze Produktionszeit hat dazu beigetragen, dass immer noch viele erhältlich sind - daher, die schiere Quantität ist ein Problem für manche Sammler. Wieder andere scheuen vor ihrem Füllmechanismus zurück, von dem gesagt wird, er sei der komplexeste, der je in einen massenproduzierten Füller gebaut wurde und dessen Reparatur einen grösseren Anteil vom Wert des ganzen Füllers kosten kann als bei einem schicken 20er oder 30er Jahre Hebelfüller. Andere mögen sich über die simple Einfarbigkeit der Füller beschweren im Vergleich zu den lebendigen Zelluloidfüllern des "Goldenen Zeitalters". All diese Erwägungen mögen dazu beitragen, dass Sheaffer Snorkels, abgesehen von einem aktiven Markt, der sie kauft, verkauft und repariert, einfach nicht den nötigen Respekt bekommen, den sie verdienen. Dies kann man auch in ihrem Marktwert ablesen (normalerweise 25-55 Dollar via Internet für restaurierte Exemplare der mehr gewöhnlichen Farben/Modelle), wohl kaum eine grosse Investition in dieser Zeit für einen Selbstfüller, der die Features eines Snorkel aufweist.

Jedenfalls werden viele Leute, die in den letzten Jahren auf das Sammelgebiet alter Füller gestossen sind, mit Snorkelfüllern recht vertraut sein. Wegen ihrer Häufigkeit eignen sie sich gut als bezahlbare Anfänger-Füller mit einer Anzahl verschiedener Modelle und Farben und Federtypen. Aber auch einige unter uns, die schon seit Jahren sammeln, haben herausgefunden, dass diese Füller verlässliche Begleiter im Büro oder zu Hause sind, unabhängig davon, welche anderen, glamouröseren Füller wir daneben noch besitzen.

(Anm. d. Übers.: Diese Beobachtungen gelten nur für den amerikanischen Markt, auf europäischem Boden wird man kaum einen Sheaffer auf Flohmärkten oder in Antikläden finden, geschweige denn einen Snorkel!)

Was hat es also auf sich mit dem Snorkel? Ist er mehr ein Alltagsgegenstand oder ein richtiger alter sammelwürdiger Füller im besten Sinne? Vielleicht ein bisschen von beidem...

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